Grußwort des Kulturamtsleiters

"Ein fester Platz für musikalische Bildung" - Unter diesem Titel stand das Grußwort des Bundespräsidenten Horst Köhler zum 20. Musikschulkongress des Verbandes deutscher Musikschulen am 15. Mai 2009 in Berlin, dem folgendes Zitat entnommen ist: "Wir brauchen musikalische Bildung, und wir brauchen Musikschulen nicht nur für die persönliche Entwicklung der einzelnen Schüler. Wir brauchen musikalische Bildung und Musikschulen auch, damit es unserer Gesellschaft und unserem Land gut geht. Deshalb braucht musikalische Bildung einen festen Platz in der Bildungspolitik - und darum sollten wir sie uns auch etwas kosten lassen. Das ist eine notwendige Investition in die Zukunft. Ich bin mir sicher: Sie wird sich auszahlen - auch wenn das in Geld dann nicht direkt messbar ist."
Gesicherte wirtschaftliche Verhältnisse, vorbehaltlose politische Unterstützung, engagierte Kolleginnen und Kollegen, Eltern, die den Wert musikalischer Erziehung zu schätzen wissen sowie Kinder und Jugendliche, die bereit sind, den Weg musikalischer Ausbildung zu gehen - das sind die Erfolgsfaktoren der Musikschule Aschaffenburg. Für die jederzeit großzügig gewährte Unterstützung sowie das Interesse an und die Begeisterung für die musizierende Jugend sind wir den beiden Oberbürgermeistern Dr. Willi Reiland und Klaus Herzog sowie den Damen und Herren des Stadtrats zu größtem Dank verpflichtet. Sie begleiteten die Musikschule auf dem Weg zur Kommunalisierung und gewährten ihr fortan vorbehaltlose Unterstützung. In Aschaffenburg hat musikalische Bildung ihren festen Platz.
Als junger Musikschulleiter konnte ich über den Kontakt mit Vertretern des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen und des Verbandes deutscher Musikschulen wertvolle Informationen und Erfahrungen zur öffentlichen Musikschule sammeln. Stellvertretend für viele Begegnungen von nachhaltiger Wirkung sei die mit Professor Hans Joachim Vetter genannt. Er war 1959 an der Entwicklung des ersten Strukturplans für Musikschulen nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt. Im gleichen Jahr wurde die Musikschule Aschaffenburg wiedereröffnet. Vetter interessierte sich in besonderer Weise für unsere Musikschule und bestätigte mir als Erster, dass die Aschaffenburger Musikschule die älteste deutsche Musikschule sei. Ein weiterer wichtiger Berater und Gestalter war und ist Werner Mayer, langjähriger Geschäftsführer des Verbandes Bayerischer Sing- und Musikschulen, dem ich nicht nur viele fachliche Informationen zu verdanken habe, sondern vor allem das Verständnis für die Sensibilität des Organismus´ Musikschule, in dem einerseits Strukturvorgaben notwendig sind, andererseits der Freiraum erhalten bleiben muss, in dem musisch-künstlerische Entfaltung nur möglich ist.
Musikalische Erziehung ist dann erfolgreich, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Diese Rahmenbedingungen bietet die kommunale Einrichtung Musikschule: einen klar strukturierten Aufbau, fachliche Kompetenz durch fest angestelltes Lehrpersonal, ein breites Angebotsspektrum und Zugänglichkeit für alle interessierten und förderungswürdigen Kinder und Jugendlichen zu Entgelten, die soziale und familienpolitische Akzente setzen.
Die Herausforderungen unserer Zeit mit Medienüberflutung, Freizeitstress und der Allverfügbarkeit von Musik sind enorm: Ein überzeugendes musikpädagogisches Konzept erweist sich bei allen gesellschaftlichen Veränderungen als Erfolgsmodell. An der Musikschule stehen dafür rund 60 qualifizierte, engagierte Lehrkräfte und ein Leitungsteam, das sich mit großer Ernsthaftigkeit seinen Führungsaufgaben widmet und immer wieder wichtige Impulse für inhaltliche und strukturelle Weiterentwicklung gibt. Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sei für ihre musikpädagogische und künstlerische Arbeit genauso herzlich gedankt wie Ulrike Goldau und Stefan Claas. Sie haben die Musikschule seit der Zuordung zum Kulturamt mit außerordentlicher musikpädagogischer und künstlerischer Kompetenz, beispielhaftem Engagement und hohem Führungsanspruch geleitet.
Das achtstufige Gymnasium, Ganztagsschule und sich veränderndes Freizeitverhalten stellen uns vor neue Aufgaben. Die Weichen sind dafür gestellt, dass die Musikschule auch zukünftig Kindern und Jugendlichen das Angebot Sinn erfüllter musikalischer Betätigung machen kann. Zu wünschen ist, dass der Staat mit entsprechenden Rahmenbedingungen und finanziellen Zuwendungen Musikschularbeit dort ermöglicht, wo sie dringend gebraucht wird: eben in den Kindertagesstätten, den Grund- und Hauptschulen und im Rahmen der Nachmittagsangebote. Zu wünschen ist auch, dass die Umlandgemeinden, die noch nicht über eine Musikschule verfügen, Maßnahmen ergreifen, um ihren Bürgerinnen und Bürgern ein qualifiziertes musikalisches Bildungsangebot zu machen, damit Auswärtigenzuschläge und Versorgungsengpässe der Vergangenheit angehören.
Musikalische Bildung hat seit 200 Jahren ihren festen Platz im Bildungsangebot der Stadt Aschaffenburg. Die vorliegende Festschrift will das dokumentieren. Mit dem Dank an Sabine Braun, Stefan Claas und Jörg Fabig, die an der Erstellung dieser Festschrift beteiligt waren, verbinde ich meinen herzlichen Dank an diejenigen, die am Jubiläumsprogramm mitwirken. Wir laden Sie Alle herzlich dazu ein, mit uns zu feiern und freuen uns auf Ihren Besuch.
Burkard Fleckenstein
Kulturamtsleiter

